{"id":74,"date":"2020-04-25T18:25:23","date_gmt":"2020-04-25T16:25:23","guid":{"rendered":"http:\/\/muensteraner-kreis.de\/?p=74"},"modified":"2020-04-25T19:35:02","modified_gmt":"2020-04-25T17:35:02","slug":"anmerkungen-zur-homoeopathie-deklaration","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/muensteraner-kreis.de\/?p=74","title":{"rendered":"Anmerkungen zur \u201eHom\u00f6opathie-Deklaration\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>M\u00fcnster, 1. M\u00e4rz 2019<br><br><strong>Erwiderung des M\u00fcnsteraner Kreises auf den Beitrag &#8222;Hom\u00f6opathie und intellektuelle Redlichkeit&#8220; von Prof. Dr. Peter F. Matthiessen in der Deutschen Zeitung f\u00fcr Onkologie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In seiner Stellungnahme \u201eHom\u00f6opathie und intellektuelle Redlichkeit\u201c [1], in der \u00c4rztezeitung online auch als \u201eHom\u00f6opathie-Deklaration\u201c bezeichnet [2], richtet Professor Dr. med. Peter F. Matthiessen im Namen des Dialogforums Pluralismus zahlreiche Vorw\u00fcrfe an die Adresse der Hom\u00f6opathiekritiker, namentlich auch an den M\u00fcnsteraner Kreis. Wir weisen Kritik wie Stellungnahme hiermit zur\u00fcck.<br>(1) Beleglage<br>Matthiessen schreibt, die publizierte Evidenz spr\u00e4che f\u00fcr eine Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie und f\u00fchrt als Beleg dreizehn Ver\u00f6ffentlichungen an, ohne n\u00e4her auf sie einzugehen. Anders Argumentierenden werden \u201eIgnoranz\u201c oder \u201ebewusste Fehlinformationen\u201c unterstellt.<br>Dagegen ist zu sagen: Weder die angef\u00fchrten noch irgendwelche anderen Publikationen k\u00f6nnen die Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie zweifelsfrei belegen. Die in der Stellungnahme zitierten vier Systematischen Reviews [3 bis 6] verweisen selber auf die geringe Qualit\u00e4t und geringe Aussagekraft der vorliegenden &#8218;positiven&#8216; Studien. Man m\u00f6ge die Reviews lesen.<br>Anders als von Matthiessen behauptet, ist zudem der Beitrag von Hahn [7] keine unvoreingenommene Metaanalyse, sondern lediglich eine Zusammenfassung schon l\u00e4nger bestehender Kritikpunkte, wobei Hahn zudem keineswegs auf wohlbegr\u00fcndete Wirksamkeit schlie\u00dft. Man m\u00f6ge den Beitrag lesen.<br>(2) Systematisches Review des Australischen NHMRC von 2015<br>Matthiessen schreibt, dass es sich hierbei nur um eine Literaturrecherche handle, die kleinere Studien von vornherein ausgeschlossen habe. Die Autoren des NHMRC h\u00e4tten inzwischen eine ergebnisorientierte F\u00e4lschung zugegeben. Zudem habe die Arbeit kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen.<br>Dagegen ist zu sagen: Von den 225 analysierten Studien [8], deren kleinste nur vier Teilnehmer hatte, wurden solche mit weniger als 150 Teilnehmern als wenig aussagekr\u00e4ftig betrachtet. Die Auswertemethodik des NHMRC folgte dabei eingef\u00fchrten Kriterien und wurde von der Cochrane Collaboration \u00fcberpr\u00fcft. Am Ende wurden lediglich f\u00fcnf Studien als hochwertig und belastbar bewertet, was dem Ergebnis aller \u00fcbrigen indikations-\u00fcbergreifenden Reviews (nicht zuletzt des Homeopathy Research Institute) entspricht [6, 9-10]. Das NHMRC-Review wurde einem gr\u00fcndlichen und ver\u00f6ffentlichten Begutachtungs-prozess unterzogen [11]. Man m\u00f6ge ihn lesen.<br>(3) Situation in der Schweiz<br>Matthiessen schreibt, die Aufnahme der Hom\u00f6opathie in den Leistungskatalog der Schweizer Gesundheitsversorgung sei aufgrund einer gr\u00fcndlichen positiven Evaluation erfolgt.<br>Dagegen ist zu sagen: Besagte Aufnahme der Hom\u00f6opathie und anderer alternativmedizinischer Verfahren in den Leistungskatalog der Schweizer Krankenkassen erfolgte aufgrund eines Volksentscheids von 2009. Zuvor geforderte Wirksamkeitsnachweise konnten gleichwohl nicht erbracht werden [12]. Man lese nach.<br>(4) Grundgesetzlicher Schutz<br>Matthiessen schlussfolgert aus der grundgesetzlich garantierten Freiheit von Forschung und Lehre, dass die arzneimittelrechtliche Sonderstellung der Hom\u00f6opathie und ihre GKV-Erstattungsf\u00e4higkeit aus der Verfassung ableitbar seien.<br>Dagegen ist zu sagen: Die Entscheidung \u00fcber die Erstattungsf\u00e4higkeit hom\u00f6opathischer Behandlungen und Pr\u00e4parate hat nichts mit der Gewinnung oder Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnis zu tun, sondern stellt eine Entscheidung \u00fcber Geldfl\u00fcsse dar. Als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung und Lehre kann Hom\u00f6opathie hingegen durchaus grundrechtlich gesch\u00fctzt sein.<br>(5) Redlichkeit<br>Matthiessen schreibt: \u201eBeim Informieren der \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die therapeutische Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie sollten nicht vorgefasste subjektive \u00dcberzeugungen leitend sein, sondern die Bereitschaft zur intellektuellen Redlichkeit.\u201c<br>Dazu ist zu sagen: Diesem Appell schlie\u00dft sich der M\u00fcnsteraner Kreis unbedingt an. Man m\u00f6ge allerdings dabei bedenken, dass f\u00fcr die Hom\u00f6opathie weder Kausalerkl\u00e4rungen vorliegen, die mit den Grundlagen der Naturwissenschaften in Einklang zu bringen w\u00e4ren, noch Studien, welche die Wirksamkeit ihrer Behandlungsmethoden nachweisen k\u00f6nnen.<br><br><em>M\u00fcnsteraner Kreis<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Literatur<br>[1] Matthiessen PF: Hom\u00f6opathie und intellektuelle Redlichkeit &#8211; Eine Stellungnahme; Deutsche Zeitschrift f\u00fcr Onkologie (2018); 50:172-177<br>[2] NN: Evidenz: Globuli-Deklaration soll deeskalieren, \u00c4rztezeitung online, 06.02.2019<br>[3] Kleijnen J, Knipschild P, ter Riet G: &#8220;Clinical trials of homeopathy&#8220;, BMJ 1991; 302:316-23<br>[4] Linde K, Clausius N, Ramirez G et al.: &#8220;Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? A meta-analysis of placebo-controlled trials&#8220;, The Lancet (1997);350:834-843<br>[5] Cucherat M, Haugh CM, Gooch M et al.: &#8220;Evidence of clinical efficacy of homeopathy&#8220;, Eur. J Clin Pharmacol 2000;56:27-33<br>[6] Mathie RT, Lloyd SM, Legg LA et al.: &#8220;Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis&#8220;, Systematic Reviews 2014;3:142<br>[7] Hahn RG: &#8220;Homeopathy: Meta-Analyses of Pooled Clinical Data&#8220;,Forsch Komplement\u00e4rmed(2013);20:376-381<br>[8] National Health and Medical Research Council. 2015. &#8220;NHMRC Information Paper: Evidence on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions &#8220;, Canberra: NHMRC;2015 sowie die zugeh\u00f6rigen Anh\u00e4nge.<br>[9] Mathie RT, Ramparsad N, Legg LA et al.: &#8220;Randomised, double-blind, placebo-controlled trials of non-individualised homeopathic treatment: Systematic review and meta-analysis&#8220;, Systematic Reviews 2017;6:663<br>[10] Mathie RT et al.: \u201eSystematic Review and Meta-Analysis of Randomised, Other-than-Placebo Controlled, Trials of Individualised Homeopathic Treatment\u201c, Homeopathy (2018);107(04): 229-243<br>[11] National Health and Medical Research Council. 2015. \u201cSummary of key issues: Draft information paper on homeopathy\u2014expert review comments.\u201c NHMRC Advice on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions. Canberra: National Health and Medical Research Council; 2015<br>[12] Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (Schweiz): Verordnung vom 27. Juni 1995 \u00fcber die Krankenversicherung (KVV) [\u2026] Vorgesehene \u00c4nderungen per 1. August 2017, \u00c4nderungen und Kommentar im Wortlaut<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcnster, 1. M\u00e4rz 2019 Erwiderung des M\u00fcnsteraner Kreises auf den Beitrag &#8222;Hom\u00f6opathie und intellektuelle Redlichkeit&#8220; von Prof. Dr. Peter F. Matthiessen in der Deutschen Zeitung f\u00fcr Onkologie In seiner Stellungnahme \u201eHom\u00f6opathie und intellektuelle Redlichkeit\u201c [1], in der \u00c4rztezeitung online auch als \u201eHom\u00f6opathie-Deklaration\u201c bezeichnet [2], richtet Professor Dr. med. Peter F. 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