{"id":132,"date":"2020-05-09T15:58:52","date_gmt":"2020-05-09T13:58:52","guid":{"rendered":"http:\/\/muensteraner-kreis.de\/?p=132"},"modified":"2020-06-11T12:49:04","modified_gmt":"2020-06-11T10:49:04","slug":"die-verhaengnisvollen-auswirkungen-foederaler-strukturen-auf-die-entwicklung-der-glaubwuerdigkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/muensteraner-kreis.de\/?p=132","title":{"rendered":"Die verh\u00e4ngnisvollen Auswirkungen f\u00f6deraler Strukturen auf die Entwicklung der Glaubw\u00fcrdigkeit"},"content":{"rendered":"\n<p>9. Mai 2020<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung der Bremer \u00c4rztekammer vom September 2019, die &#8222;alberne Hom\u00f6opathie&#8220; aus der Weiterbildungsordnung (WBO) zu streichen, hat bundesweit gro\u00dfe Zustimmung erfahren und d\u00fcrfte viele Landes\u00e4rztekammern motiviert haben, es den Bremern gleichzutun. So haben bis dato die L\u00c4Kn Nordrhein, Hessen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Niedersachsen ebenfalls diese gef\u00e4hrliche Heilslehre aus ihrer WBO entfernt. \u201eGef\u00e4hrlich\u201c deshalb, weil sie Patientinnen und Patienten im Vertrauen auf eine Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie davon abhalten kann, sinnvolle Ma\u00dfnahme zu ergreifen. Das Erstaunen war gro\u00df, als sich andere \u00c4rztekammern den Bremern nicht anschlossen, wie etwa die \u00c4K Baden-W\u00fcrttemberg im November vergangenen Jahres. Auch die \u00c4K Th\u00fcringen bekannte sich im M\u00e4rz dieses Jahres mit denkbar knapper Ein-Stimmen-Mehrheit zum Erhalt der umstrittenen Zusatzbezeichung.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil die Entscheidungen \u00fcber \u00e4rztliche Fortbildungsinhalte den einzelnen L\u00c4Kn obliegen, ist dieses Abstimmungsergebnis in mehrfacher Hinsicht als prek\u00e4r einzuordnen. In Th\u00fcringen erworbene Zusatzbezeichungen &#8222;Hom\u00f6opathie&#8220; k\u00f6nnen bei der Niederlassung in einem anderen Bundesland nicht aberkannt werden. Dieses Faktum muss nicht als Vorteil f\u00f6deraler Vielstimmigkeit gewertet werden, sondern offenbart eine Dysbalance im M\u00e4chteverh\u00e4ltnis Landes\u00e4rztekammern zu Bundes\u00e4rztekammer. Es ist daher aus Gr\u00fcnden der Glaubw\u00fcrdigkeit und Transparenz w\u00fcnschenswert, wenn Fortbildungsinhalte k\u00fcnftig nicht lokal, sondern zentral und bundeseinheitlich koordiniert werden, damit ein &#8222;Fortbildungstourismus&#8220; ausbleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist nachvollziehbar, dass regional agierende Landes\u00e4rztekammern strukturbedingte Vorteile besitzen. Doch bei der Definition fortbildungsrelevanter Inhalte erweist sich ein Pochen auf Regionalit\u00e4t schnell als Papiertiger. Weil \u00c4nderungen an einer landeseigenen WBO nur f\u00fcr das Pr\u00fcfungskomitee des jeweilige Bundesland bindende G\u00fcltigkeit besitzen, entfalten sich dadurch keine allgemeine Wirkm\u00e4chtigkeiten, sondern reduzieren sich durch die begrenzten Bedingungen lediglich auf einen Symbolcharakter ohne ausreichende Auswirkungen im Portfolio der Zusatzbezeichnungen im jeweiligen Bundesland.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Absicht, mit einer wirksamen \u00c4nderung der Weiterbildungsordnung auch eine \u00c4nderung des Angebots an abrechenbaren \u00e4rztlichen Leistungen und somit auch einen Bewusstseinswandel hin zu wissenschaftsorientierter Medizin zu bewirken, bleibt beim Festhalten an den jetzigen asymmetrischen Machtstrukturen nur hehrer Wunsch und ist im Gefolge einer f\u00f6deral intonierten 16-Ton-Musik daher zum Scheitern verurteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Einheit kann Leben retten!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dr. Hans-Werner Bertelsen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9. 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